Freudvolle und Leidvolle Weihnacht

Die Christmette war ein Höhepunkt im Ministrantenleben.
Unser Kaplan hatte einen Hang fürs Dekorative und wir zogen an Weihnachten mit einer großen Ministrantenschar zum weiträumigen, festlich mit grünen Tannenbäumen und daran gelben Strohsternen geschmückten Hochaltar.

Ich hatte vor meinem Stimmbruch einen kräftigen und hochtragenden Kindersopran und durfte damit immer in der Christmette die Engelsverkündigung solo singen. Ich stand dabei vorne rechts am Altar und mit: "Fürchtet euch nicht, denn ich verkündige Euch eine große Freude", teilte ich der Gemeinde mit, dass in der Stadt Davids der Heiland geboren worden ist, welcher Christus der Herr ist. Ich war sehr stolz, wenn ich es ohne Kickser und Patzer hinter mir hatte, und es war ein freudvolles Weihnachtsfest.

Es gab jedoch auch ein leidvolles, und die Christmette wurde damals für mich zum Alptraum, der mir lange nachhing. Ich war als Fackelträger eingeteilt und hatte als kleinster Ministrant versehentlich einen überlangen, mir weit über die Füße hängenden roten Rock bekommen. Es ließ sich auch trotz meiner Reklamation im Gedränge der Menge der Leute und der Zeit nicht mehr korrigieren. So raffte ich, in der rechten Hand die große brennende Fackel, mit der freien, sonst andächtig auf der Brust liegenden linken über dem weißen Chorhemd den Rock krampfhaft nach oben, um ein Stolpern und damit eine unauslöschliche Blamage vor der ganzen feierlichen Christmetten-Gemeinde zu vermeiden. Im Geiste sah ich schon, durch meine brennende Fackel entflammt, die Chistbäume und unseren neugotischen Steckerlaltar mitsamt der Heiligen darin in helle Flammen aufgehen.

Fackelträger haben sich am Altar viel zu bewegen. Sie verschwinden oft hinter dem Altar, um zu gegebenem Anlass wie Opferung, Wandlung und Kommunion wieder in links und rechts formierten Reihen zu erscheinen und nach einer gemeinsamen "Genoflex" sich feierlich und dekorativ mit ihren brennenden Fackeln, meist wieder kniend, zu postieren. Genoflex heißt Kniebeuge. Runter kam ich schon. Aber beim Aufstehen trat ich natürlich dauernd auf meinen überlangen, am Boden schleifenden Rock, den ich bei dem vielen Rauf und Runter gar nicht genug mit nur einer Hand immer wieder hochraffen konnte. Bis ich mich wieder mühsam erhoben hatte und wieder marschfähig war, musste ich meinen enteilenden fackeltragenden Vorgängern schleunigst als kleinster und letzter hinterher stolpern. Grausam exponiert am Altar meinte ich ständig Blicke der Gläubigen im Nacken zu spüren, die sicher amüsiert mein Handicap beobachteten. Ich schwitzte Blut. Für mich war dieser Weihnachtstag ein Kartag. Ich stolperte mich durch die Christmette und zwar zum Schluss erlöst.

Aber noch heute bekomme ich sofort feuchte Hände, wenn ich daran zurückdenke.



Hallo, hier ein paar Infos
und Termine:
Die Gottesdienste in
St. Andreas Trostberg:

Samstag, Deinting:
- 16:00 Uhr (Winterzeit)
- 19:00 Uhr (Sommerzeit)

Sonntag, Trostberg:
- 10:00 Uhr
- 19:00 Uhr
 

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