Introibo ad altare dei ….

 

Dieses Leitmotiv schrieb mir mein damaliger Oberministrant und Gruppenführer Alfons in ein Neues Testament, das er mir dann schenkte. Er wurde später ein großer Jesuit und war sogar mal Ordensprovinzial, fast so etwas wie ein Kardinal. Wie gelehrt er wurde, zeigt noch heute ein Holzschild an seinem Beichtstuhl zu St. Michael in München, dass er die Beichte in Deutsch, Englisch und Französisch abnehmen kann. Als ich kürzlich wieder mal nach St. Michael ging, um die bewegende Karfreitags-Zeremonie mitzuerleben, ging er an mir vorbei in seinen Beichtstuhl. Ich beichtete bei ihm aber lieber nicht, sondern besuchte anschließend – eine bayrisch-königstreue Pflicht erfüllend – in der Königsgruft neben dem Hl. Grab auch den Sarkophag unseres immer noch geliebten und so tragisch geendeten König Ludwig, den nur unkundige Preußen und Ausländer für „g’spinnert“ halten können.

Natürlich wollte ich in den heiligen Dienst am Altar treten, aber ausgewogen nach dem Prinzip Gleichheit und Brüderlichkeit. Es wurde bei uns immer ein Oberministrant gewählt, aber er war mehr „Primus inter pares“, auch was die Kleidung anbetraf. Dies änderte sich schlagartig , als man beim Ausleihen von Ministrantengewändern  von der Frauenkirche feststellte, dass dort für den Oberministranten  ein prachtvoller, reich mit Goldborten und Quasten verzierter Kragen vorhanden war. Von da an war es nur mit der Egalitè, mit der Gleichheit vorbei. Die Versuchung nun bischofsähnlich verziert am Altar vor der Gemeinde zu schreiten, war zu groß. Der Primus rückte in den Vordergrund. Anzumerken ist, dass der damals so geschmückte, trotz anfänglicher Versuche, später dennoch kein Bischof wurde, nicht einmal Pfarrer.

Meine Geschichte, die ich hier erzählen will, handelt ebenfalls von, wenn auch etwas nachgeholfener, Gleichheit und Brüderlichkeit. Wurden wir zum Ministrieren für eine Messe eingeteilt, so galt dies immer für eine Woche. Ich war also wieder einmal mit meinem besten Ministranten-, Kinder- und Schulfreund für die 6.00 Uhr Frühmesse eingeteilt, was uns Buben immer wieder große Überwindung kostete, um 5.00 Uhr früh – auch im Winter – von der Mutter aus dem warmen Bett getrieben zu werden, um dann um ¾ 6.00 Uhr in der Sakristei bereit zur heiligem Dienste zu stehen. Erwähnt muss werden,  dass zwischen dem rechten und dem linken Ministranten wesentliche graduelle Unterschiede bestehen. Der „Rechte“ darf das Messbuch tragen, darf es am Altar von der rechten Epistel- auf die rechte Evangelienseite befördern und darf beim Lavabo dem Pfarrer Wein und Wasser servieren, kurz: der Rechte hat die Führungsposition. Der „Linke“ darf lediglich beim Messebeginn die Eingangsglocke läuten und beim Lavabo dem Pfarrer nur das Handtuch reichen, damit er sich die nassen Inger abtrocknen kann. Der Linke ist sozusagen das Bummerl.

Obwohl mir mein Kompagnon schon über den Kopf gewachsen war und davon seine Vormachtstellung ableitet, beschloss ich nach dem Prinzip Egalitè, vor Gott sind alle gleich, auch mal als Rechter ministrieren zu wollen. Ich ergatterte am nächsten Morgen in der Sakristei frühzeitig das Messbuch, um meine Absicht klar zu demonstrieren. Es entbrannte nun ein erbitterter Kampf ums Buch, der keuchend, aber stumm geführt werden musste, da der Pfarrer Albrecht, der damals meistens die 6.00 Uhr Messe hielt, sich bereits meditativ darauf vorbereitete. Das Buch wurde beiderseits erobert und wieder zurückerobert. Die Schlacht tobte !!! Mein Mitstreiter hatte damals einen verletzten Finger, vielleicht geschnitten, der dick und knollig mit einem Verband verbunden war. Das Kriegsglück neigte sich endgültig auf meine Seite, als im Kampfgetümmel der Verband von seinem verletzten Finger davonflog und aus der wieder aufgerissenen Wunde ein paar spärliche Blutstropfen flossen. Es war psychologisch und endgültig die Entscheidung. Weinend und beleidigt ( wir waren noch Kinder!!! ) zog er seinen Chorrock wieder aus und verweigerte an diesem Tag schwerverletzt den Dienst. Ich versah nun, mit dem Messbuch in der rechten und mit der linken Hand die Messe einläutend, an diesem Frühmorgen den heiligen Dienst beidseitig alleine.

Heute bereue ich meine damalige mangelnde Demut, vor allem, da mein damals aus dem Feld geschlagener Rivale später ein echter Pfarrer wurde, ich jedoch ein rechter Kapitalist.


Hallo, hier ein paar Infos
und Termine:
Die Gottesdienste in
St. Andreas Trostberg:

Samstag, Deinting:
- 16:00 Uhr (Winterzeit)
- 19:00 Uhr (Sommerzeit)

Sonntag, Trostberg:
- 10:00 Uhr
- 19:00 Uhr
 

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