Meine geheiligte Watschn, Teil I

Weißhaarig, väterlich streng und ehrfurchtgebietend regierte er unsere Pfarrei. Er war ein allseits geachteter Dekan. Für mich kleinen Ministranten war er ein würdevoller Bischof-Aspirant, der es später am Stuhl des regierenden Episkopus als ehrenvollen Alterssitz noch zum bepfründeten Domkapitular brachte. Wenn er dann manchmal noch "sein" Bergfest besuchte, sah er in seinem vorwiegend roten Talar doch ein wenig wie ein Bischof aus. Ich erwähnte meine zwei heiligen Watschn, die ich im Laufe meines langen Ministrantenlebens von seiner Hand verabreicht bekam. Ich nehme es vorweg: Völlig gerechtfertigt !!

Ich sagte schon: Ich war ein kleiner und leichtgewichtiger Ministrant. Wir hatten früher mit unserem Ministrantenkaplan unsere wöchentlichen Ministrantenstunden immer im Waisenhaus, auf dessen kleiner Bühne wir  mit einem jährlichen weihnachtlichen Krippenspiel unseren schauspielerischen Fähigkeiten freien Lauf ließen. Als unser geliebter Kaplan dann eine eigene Pfarrei in der Hallertau vorzog - damit erlöst vom Joch des Mesner Sachs, mit dem ihn die ganzen Jahre über eine nicht gerade innige Freundschaft verband - wurden bei unserem neuen Kaplan die Stunden im Pfarrhof abgehalten.
Wir stellten dabei einmal fest, dass infolge einer früher wahrscheinlich zum Pfarrhof gehörenden Landwirtschaft auf der Hofseite oben am Dachfirst ein Giebel vorgebaut war. Die Sache musste umgehend untersucht werden und das Unheil nahm seinen Lauf.

Es war, im Giebel eingebaut, eine Holzrolle vorhanden, und zu allem Unheil lag oben auf dem Boden daneben auch noch das alte Seil, mit dem wahrscheinlich früher das Heu aufgezogen wurde. Der Entschluss, den leichtesten von uns abzuseilen, war schnell gefasst. Wer dachte in diesem Augenblick - geblendet vom Tatendrag - schon daran, wo man da überall vorbeischweben wird.
Ich setzte mich also in die geknüpfte Seilschlinge und gab mein Leben vertrauensvoll in die Hände meiner Kameraden, die mich nun langsam hinabgleiten ließen.

Mir schwante nichts Gutes. Und als ich dann am 1. Stock, genau seitlich am Fenster des H.H. Stadtpfarrers vorbeischwebte, wusste ich: nun naht das Unheil. Wie ich durch das Fenster sehen konnte, ging Hochwürden zuerst ruhig und gesammelt Brevier betend in seinem Zimmer auf und ab. Dann starrte er plötzlich, meiner ansichtig, entgeistert auf mich, der ich weiter langsam nach unten entschwebte.

Unten empfing er mich dann schon und verabreichte mir in einem ihn befreienden Schlag meine schon erwähnte 1. Ohrfeige. Ich habe sie - angesichts des morschen Giebels und des alten Seils - verdient.

Hallo, hier ein paar Infos
und Termine:
Die Gottesdienste in
St. Andreas Trostberg:

Samstag, Deinting:
- 16:00 Uhr (Winterzeit)
- 19:00 Uhr (Sommerzeit)

Sonntag, Trostberg:
- 10:00 Uhr
- 19:00 Uhr
 

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