Geheiligte Watschn NR.2



Hohe Zeit war für uns Ministranten beim Bergfest. Während sonst das Jahr über der Messdienst von den Franziskanerpatern selbst abgedeckt wurde, war beim Bergfest die Domäne von uns St. Martins-Ministranten. Es waren immer viele levitierte Ämter und wir rückten mit einer großen Schar von Akolythen, Weihrauchfassschwingern, Schiffchen-, Weihwasser-, und Fackelträgern an. Da war dann die Sakristei angesichts der vielen Geistlichen zu klein. So wurden wir zum Umziehen auf den Boden über der Sakristei verbannt. Welch eine Wonne! Ich denke immer noch an die geköpften und auf Pfählen aufgespießten Krippenwachsköpfe, die uns aus ihren Glaskästen schaurig anstarrten und darauf warteten, zur nächsten Weihnachtszeit wieder körperhaft als Josef, Maria, Hirten, Herodes, Könige usw. in der Bergkrippe zum Leben erweckt zu werden.

Nun nahte das Unheil: Am Berg wurden damals noch mit der Hand die Glocken geläutet. In ruhigen Zeiten tat dies der Bruder Mesner in der unteren Sakristei. Beim Bergfest jedoch wurden die Stricke durch den vorhandenen Schacht, der zu den Glocken senkrecht nach oben führte, zu uns in den 1. Stock aufgezogen und wir durften, die Stricke schräg am Schacht vorbeiziehend, für den sowieso überlasteten Mesner läuten. Beim Ausläuten ließ ich mich, wie früher immer im Glockenhaus zu St. Martin beim Mesner Sachs, natürlich aufziehen. Das ging erst wunderbar schräg nach oben, aber beim Rückschwingen der Glocken verschwand ich leider nun zu meinem Schrecken senkrecht im Schacht. Hätte ich den Strick, an dem ich mich krampfhaft festhielt, losgelassen, wäre ich wie vom Himmel in die Sakristei auf die Köpfe der Celebranten und Concelebranten gefallen.

Von unten sah unser H.H. Dekan wahrscheinlich im Schacht über sich Bubenfüße, umschwirrt von roten und weißen Chorröcken, erscheinen und rhythmisch nach oben wieder entschweben. Nachdem man mich beim schwächeren Ausläuten der Glocken schräg über den Schacht wieder auf festen Holzboden gezogen hatte, brachte es mir die 2. Watschn von unserem H.H. Stadtpfarrer ein.

Ich habe sie bekommen und weggesteckt, wohl wissend, dass es nur seine Sorge um mein Leib und Leben war. Er hätte jedoch auch, berufsbedingt, auf die für uns zuständigen Schutzengel vertrauen können, die aber damals, glaube ich, sowieso schon alle Hände voll mit uns zu tun hatten.


Hallo, hier ein paar Infos
und Termine:
Die Gottesdienste in
St. Andreas Trostberg:

Samstag, Deinting:
- 16:00 Uhr (Winterzeit)
- 19:00 Uhr (Sommerzeit)

Sonntag, Trostberg:
- 10:00 Uhr
- 19:00 Uhr
 

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